Seit Jahrzehnten basiert die gesamte Informationstechnologie auf der Bewegung von Elektronen durch Kupfer und Silizium. Photonen-Chips verfolgen ein anderes Prinzip. Sie übertragen und verarbeiten Informationen mit Lichtteilchen, also Photonen, statt mit elektrischem Strom. Das Konzept ist nicht neu, aber erst moderne Fertigungstechnik im Nanometerbereich macht es praktikabel. Das Ergebnis ist eine Architektur, die für Bandbreiten im Terabit-Bereich ausgelegt ist und bei deutlich niedrigerem Energieverbrauch arbeitet.
Warum herkömmliche Photonen-Chips an Grenzen stoßen
In aktuellen Prozessoren und Grafikchips fließen Milliarden von Elektronen durch nur wenige Nanometer breite Leitungen. Ab etwa 3 Nanometern steigen die Verluste überproportional an. Rechenzentren in Deutschland verbrauchen bereits rund 18 Terawattstunden pro Jahr, ein erheblicher Teil davon entsteht allein durch Datenbewegung und Kühlung. Elektrische Signale breiten sich zwar schnell aus, verlieren aber bei hohen Frequenzen an Qualität. Signalintegrität, Übersprechen und Latenz begrenzen die Leistung von Chip-zu-Chip-Verbindungen. Photonen interagieren kaum miteinander, erzeugen praktisch keine Wärme im Leiter und können mehrere Datenströme gleichzeitig über unterschiedliche Wellenlängen transportieren.
So funktioniert ein photonischer Chip im Detail

Ein photonischer Chip besteht aus mehreren funktionalen Bausteinen, die Licht auf dem Chip erzeugen, lenken und wieder in elektrische Signale umwandeln. Die Basis bildet meist ein Siliziumsubstrat, auf dem extrem dünne Wellenleiter aus Silizium oder Siliziumnitrid strukturiert werden. Modulatoren verändern die Phase oder Amplitude einer Lichtwelle, um digitale Informationen aufzuprägen. Multiplexer bündeln Dutzende Kanäle mit verschiedenen Wellenlängen im sogenannten WDM-Verfahren. Am Ende wandeln Germanium-Photodetektoren das optische Signal wieder in Strom für die klassische Logik um.
Silizium-Photonik als Brücke zur bestehenden Fertigung
Der wichtigste Fortschritt der letzten Jahre ist die Silizium-Photonik. Sie erlaubt es, photonische Komponenten mit den gleichen CMOS-Fertigungsanlagen herzustellen, die auch für normale Prozessoren genutzt werden. Unternehmen wie Intel, GlobalFoundries und ams OSRAM haben dafür eigene Prozessbibliotheken entwickelt. In Deutschland treiben das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut und das Fraunhofer IZM diese Entwicklung voran.
Lichtquellen und Modulatoren auf dem Chip
Silizium selbst kann kaum effizient Licht emittieren. Deshalb werden Laser aus III-V-Halbleitern wie Indiumphosphid direkt auf den Silizium-Wafer gebondet oder extern gekoppelt. Neue Ansätze nutzen Mikroring-Modulatoren, die durch Anlegen einer kleinen Spannung die Resonanzfrequenz ändern und so mit bis zu 100 Gigabit pro Sekunde modulieren können, bei einem Energieverbrauch von unter einem Piko-Joule pro Bit.
Konkrete Anwendungsfelder mit hohem Potenzial
Photonische Chips werden nicht sofort den kompletten CPU ersetzen. Besonders stark profitieren Bereiche, in denen enorme Datenmengen schnell und energiesparend bewegt werden müssen.
- Rechenzentren und High-Performance-Computing: Optische Interconnects verbinden Server-Racks mit 1,6 Terabit pro Sekunde und senken den Energiebedarf um bis zu 30 Prozent.
- KI-Beschleuniger: Photonische Matrix-Multiplikation ermöglicht neuronale Netzberechnungen nahezu in Echtzeit, da die Multiplikation durch Lichtinterferenz stattfindet.
- Telekommunikation für 6G: Integrierte Transceiver für 800G und 1,6T Ethernet sind für die nächste Mobilfunkgeneration unverzichtbar.
- Quantencomputing: Photonen dienen als stabile Qubits, die bei Raumtemperatur weniger dekohärieren als supraleitende Systeme.
- Medizintechnik und Sensorik: Miniaturisierte Spektrometer auf Chip-Basis analysieren Blutwerte oder Umweltstoffe direkt vor Ort.
Aktuelle Durchbrüche und deutsche Forschungsprojekte
Intel stellte eine optische Chiplet-Verbindung mit acht Wellenlängen vor, die 4 Terabit pro Sekunde überträgt. Die TU München demonstrierte gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut einen photonischen Prozessor, der Bildklassifizierung mit nur einem Zehntel der Energie eines Nvidia H100 durchführt. Start-ups wie Lightelligence und Lightmatter sammelten jeweils über 150 Millionen Dollar für photonische KI-Chips.
Auch die deutsche Industrie profitiert von der Entwicklung. Neben technischen Plattformen wächst die Nachfrage nach schnellen digitalen Erlebnissen in der Freizeit, was sich beispielsweise in der Beliebtheit von Angeboten wie dem Fiery Play Online Casino widerspiegelt, wo ebenfalls latenzarme Serververbindungen entscheidend sind. Parallel dazu fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Programm Photonik Forschung Deutschland mit über 400 Millionen Euro bis 2027.
Welche Hürden noch vor der Massenmarktreife liegen
Die Kopplung von Glasfaser an den Chip verursacht Verluste von 1 bis 2 Dezibel pro Schnittstelle. Temperaturschwankungen verschieben die Resonanz von Mikroringen, was aktive Regelung erfordert.
Der wirtschaftliche Vergleich zeigt deutlich, wo die Stärken und Schwächen aktuell liegen.
| Kriterium | Elektronischer Chip | Photonischer Chip |
|---|---|---|
| Übertragungsgeschwindigkeit pro Kanal | 100 – 200 Gbit/s | 200 – 800 Gbit/s |
| Energie pro Bit (Interconnect) | 10 – 20 pJ | 0,5 – 3 pJ |
| Wärmeentwicklung im Leiter | Hoch, Kühlung nötig | Sehr gering |
| Fertigungskosten 2026 | Niedrig, etabliert | Höher, im Sinken |
| Integration von Logik | Exzellent | Benötigt Hybridlösung |
Die präzise Ausrichtung von Laser und Wellenleiter erfordert eine Genauigkeit unter einem Mikrometer. Hier investieren deutsche Anlagenbauer wie Trumpf und Jenoptik in neue Bonding-Technologien.
Lichtgeschwindigkeit als neuer Standard für die Chipindustrie
Photonen-Chips werden die Elektronik nicht vollständig ersetzen, sondern gezielt ergänzen. Das wahrscheinlichste Szenario für die nächsten zehn Jahre ist ein hybrider Chip, bei dem elektrische Transistoren die Logik übernehmen und photonische Schichten die Kommunikation und spezielle Berechnungen abwickeln. Dieser hybride Ansatz kombiniert das Beste beider Welten und ebnet den Weg für kompakte, extrem energieeffiziente Systeme mit bisher unerreichter Bandbreite. Wenn Informationen mit Licht statt mit Widerstand transportiert werden, öffnet das den Weg zu Systemen, die gleichzeitig schneller und nachhaltiger arbeiten.
Photonen-Chips und die Bedeutung des Packaging
Ein entscheidender Faktor für den zukünftigen Erfolg von Photonen-Chips ist die Integration verschiedener Technologien in einem gemeinsamen Gehäuse. Dieses sogenannte Advanced Packaging verbindet photonische Bausteine mit elektronischen Prozessoren, Speicherkomponenten und Steuerschaltungen. Dabei müssen elektrische und optische Signale auf engstem Raum zuverlässig zusammenarbeiten. Besonders wichtig ist die präzise Verbindung zwischen den einzelnen Komponenten, da bereits kleinste Abweichungen die Signalqualität beeinträchtigen können.
Ein vielversprechender Ansatz ist die Co-Packaged Optics (CPO). Dabei werden optische Transceiver möglichst nah an Netzwerkprozessoren oder KI-Beschleunigern platziert, anstatt sie über längere elektrische Leiterbahnen anzubinden. Dadurch lassen sich Übertragungsverluste und der Energiebedarf für die Datenkommunikation reduzieren. Gerade bei großen KI-Rechenzentren, in denen Tausende Beschleuniger miteinander kommunizieren, kann diese Technologie einen wesentlichen Beitrag zur Effizienz leisten. Allerdings erfordert sie neue Kühlkonzepte, zuverlässige optische Verbindungen und Verfahren, mit denen sich defekte Komponenten wirtschaftlich austauschen lassen.
Neue Materialien erweitern die Möglichkeiten
Neben Silizium gewinnen weitere Materialien für die Herstellung photonischer Komponenten an Bedeutung. Siliziumnitrid eignet sich beispielsweise für verlustarme Wellenleiter und optische Resonatoren. Dünnschicht-Lithiumniobat ermöglicht besonders leistungsfähige Modulatoren, mit denen sich Lichtsignale schnell und präzise verändern lassen. Indiumphosphid wiederum spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung leistungsfähiger Laser und optischer Verstärker.
Die Kombination dieser Materialien eröffnet neue Möglichkeiten für Photonen-Chips, weil nicht jede Funktion mit demselben Werkstoff optimal umgesetzt werden kann. Stattdessen werden unterschiedliche Materialien gezielt miteinander verbunden. Diese heterogene Integration erhöht allerdings die Anforderungen an die Fertigung. Unterschiedliche Wärmeausdehnungen, Materialeigenschaften und Herstellungsverfahren müssen berücksichtigt werden, damit die Komponenten auch über viele Betriebsstunden hinweg stabil funktionieren.
Können Photonen-Chips den Energieverbrauch von KI senken?
Der steigende Strombedarf künstlicher Intelligenz macht energieeffiziente Rechenverfahren zunehmend wichtiger. Photonen-Chips könnten dabei helfen, bestimmte mathematische Operationen direkt mit Licht durchzuführen. Besonders interessant sind analoge optische Rechenverfahren, bei denen Lichtinterferenz zur Verarbeitung von Vektoren und Matrizen genutzt wird. Solche Berechnungen kommen unter anderem beim Training und bei der Ausführung neuronaler Netze zum Einsatz.
Allerdings hängt die tatsächliche Energieeinsparung vom gesamten System ab. Laser, Modulatoren, Detektoren und elektronische Steuerungen benötigen ebenfalls Energie. Zudem müssen Daten häufig zwischen optischen und elektrischen Komponenten umgewandelt werden. Auch die Genauigkeit analoger Berechnungen und die Möglichkeit, Ergebnisse zuverlässig zu korrigieren, spielen eine wichtige Rolle. Photonen-Chips sind deshalb nicht automatisch bei jeder Anwendung effizienter als klassische Beschleuniger. Ihr Potenzial ist besonders groß, wenn viele Rechenoperationen parallel ausgeführt werden und der Datentransport einen erheblichen Teil des Energieverbrauchs verursacht.
Zuverlässigkeit, Wartung und langfristige Betriebskosten

Für den industriellen Einsatz zählt nicht allein die maximale Übertragungsgeschwindigkeit. Photonen-Chips müssen auch unter wechselnden Temperaturen, bei mechanischen Belastungen und über lange Betriebszeiten zuverlässig funktionieren. Alternde Laser, Verschmutzungen optischer Schnittstellen und Schwankungen der Lichtleistung können die Signalqualität beeinflussen. Deshalb sind integrierte Überwachungsfunktionen wichtig, die Veränderungen frühzeitig erkennen und die Übertragung bei Bedarf nachregeln.
Darüber hinaus müssen Hersteller geeignete Prüfverfahren entwickeln, mit denen sich photonische Komponenten bereits während der Produktion und später im laufenden Betrieb kontrollieren lassen. Automatisierte Tests können dabei helfen, Fehler schneller zu lokalisieren und Ausschuss zu reduzieren. Sinkende Fertigungskosten, standardisierte Schnittstellen und verbesserte Testverfahren werden entscheidend dafür sein, ob Photonen-Chips künftig nicht nur in spezialisierten Hochleistungsrechnern, sondern auch in größeren Stückzahlen eingesetzt werden.

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